"Inhabergeführte Apotheke ist ein Zukunftsmodell" - Politik erteilt Apothekenketten eine klare Absage

Chemnitz (SAV/SLAK, 22.04.2007): 

Umgeben von sächsischer Industriegeschichte fand am 21. und 22. April der 5. Sächsische Apothekertag im Industriemuseum in Chemnitz statt. Der Apothekertag, gemeinsam veranstaltet von der Sächsischen Landesapothekerkammer, dem Sächsischen Apothekerverband e.V. und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft Landesgruppe Sachsen, lieferte, neben Vorträgen namhafter Wissenschaftler, ein politisches Signal.

Eröffnet wurde der 5. Sächsische Apothekertag am Samstag durch den Präsidenten der Sächsischen Landesapothekerkammer Friedemann Schmidt. Er konnte mit Dr. Albert Hauser, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, und Dr. Marlies Volkmer MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages zwei Politiker begrüßen, welche beide seit vielen Jahren die sächsischen Apotheker gesundheits- und berufspolitisch, auf Landes- und Bundesebene begleiten. Durchaus erwähnend, dass die politische Auseinandersetzung im Rahmen der Reformvorhaben der Bundesregierung kontrovers geführt werden, honorierte der Kammerpräsident vor allem die Verlässlichkeit und Dialogbereitschaft der anwesenden Politiker.

Vor dem politischen stand dann zunächst das geschichtliche Wort: Dr. Rita Müller, Lektorin im Sächsischen Industriemuseum, begrüßte die anwesenden Pharmazeuten und Gäste ohne einen kurzen historischen Abriss zur Umgebung und dem Gebäude vermissen zu lassen.

Staatssekretär Dr. Hauser kündigte weitere Unterstützung für die Anliegen der Apotheken an und unterstrich noch mal seine mittlerweile viel zitierte Aussage vom 3. Sächsischen Apothekertag 2003, „dass die Apotheke im Dorf bleiben müsse.“ Patienten- und Verbraucherschutz „bleibe Thema des Staatsministeriums.“

Patienten- und Verbraucherschutz und damit auch eine sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln lässt sich flächendeckend nur durch den freien Heilberuf des Apothekers und die vom Inhaber geführte Apotheke sichern. Dieser Meinung schloss sich auch Dr. Marlies Volkmer an, die noch einmal ausführlich das jüngste Gesetzgebungsverfahren und ihren Einsatz für die Stärkung den freien Heilberuf reflektierte. Sicherlich traf sie die von der Gesundheitspolitik nicht gerade verwöhnten Herzen der anwesenden Pharmazeuten, als sie die mittelständische Apotheke als „Zukunftsmodell“ bezeichnete. Der derzeit auf europäischer Ebene diskutierten Abschaffung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes im deutschen Apothekenwesen, welches Kapitalgesellschaften untersagt, Apothekenketten zu betreiben, erteilte sie wie Dr. Hauser damit eine klare Absage.

Dass für sächsische Apotheker „Nach der Reform = Vor der Reform“ bedeutet, kündigt bereits der Titel der Rede der Vorsitzenden des Sächsischen Apothekerverbandes e.V. Monika Koch an. Zwar kritisierte sie eine einmal mehr schwer umsetzbare und in vielen Teilen unfertige Reform als erneutes Spargesetz, schloss aber gleich zu Beginn Ihren Dank an die sächsische Landesregierung an, die durch eine Initiative im Bundesrat ein unübersichtliches und patientenunfreundliches Höchstpreissystem für Arzneimittel verhindern konnten. Damit ist der Apotheker geblieben was er ist: Arzneimittelfachmann und kein Arzneimittelhändler.

Die Befürworter von Apothekenketten bezeichnete Koch als „Propheten des Untergangs“. In keinem der europäischen Länder mit Apothekenketten sei die Arzneimittelversorgung billiger als in Deutschland. Dafür ist aber die flächendeckende Versorgung gefährdet, wie man gerade in Norwegen beobachten kann.

Marktwirtschaftlich gesteuerte Renditeinteressen von Kapitalgesellschaften seien, so Koch, nicht die Lösung. Dünn besiedelte Gebiete würden erwartete Renditen nicht abwerfen. In Norwegen überlege man inzwischen schon, wie man das weitere Ausdünnen der Apotheken im ländlichen Bereich stoppen könne.

An das Ende eines kämpferischen Statements setzte die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes den Patienten: „Das Ziel ist der Patient, der Mensch, der mit dem Arzneimittel seine Gesundheit erhalten oder wiedererlangen und zumindest sein Leiden lindern will. Bei der Altersstruktur unserer Bevölkerung in Sachsen gibt es kein besseres Konzept als die wohnortnahe Präsenzapotheke. Die Apotheke ist immer da, wenn Ihnen etwas fehlt!“

Apotheker sind Arzneimittelfachleute, die sich regelmäßig und qualitativ hochwertig fortbilden, um ihre Patienten stets über neue Therapieformen und Medikamente informieren und beraten zu können. Eingebettet in diesen Apothekertag war deshalb ein Fachkongress unter dem Motto: „Wirkstoffdesign – Moderne Arzneistoffe nach dem Vorbild der Natur“, bei dem namhafte Wissenschaftler neue Arzneimittel vorstellen werden. Wie in den vergangenen Jahren bot der zweite Tag auch ein Fortbildungsangebot für Pharmazieingenieure und PTA (Pharmazeutisch technische AssistentInnen), welches ebenfalls sehr gut besucht wurde.

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