Schmerzmittel sind keine Bonbons

Dresden (SLAK, 22.04.2005): 

Schmerzmittel werden häufig ohne Rezept in der Apotheke gekauft. Gleichzeitig sind viele Verbraucher durch die Marktrücknahmen der COX-2-Hemmer Bextra® und Vioxx® verunsichert. Kann man Schmerzmitteln noch vertrauen? Dazu ein Interview mit Herrn Apotheker Göran Donner aus der Löwen-Apotheke in Dippoldiswalde.

Herr Donner, sind Schmerzmittel gefährlicher als gedacht?

Donner: Man sollte nicht alle Schmerzmittel in einen Topf werfen. Diese beiden Arzneimittel gehören zur relativ neuen Gruppe der COX-2-Hemmer und wurden gegen stärkere Schmerzen verordnet. COX-2 ist ein körpereigenes Enzym, das beim Schmerz- und Entzündungsgeschehen eine große Rolle spielt. Es war richtig, dass die Hersteller die Mittel wegen zwar seltener, aber schwerer Nebenwirkungen vom Markt genommen haben. Andere Wirkstoffe, zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Morphin, werden seit über einem Jahrhundert eingesetzt. Sie sind gut verträglich, ihre Nebenwirkungen bekannt. Es ist unwahrscheinlich, dass bei ihnen noch „neue“ Nebenwirkungen ans Licht kommen.

Worauf sollte man achten, wenn man in der Apotheke Schmerzmittel kauft?

Donner: Rezeptfreie Schmerzmittel werden normalerweise gut vertragen – man muss nur mit dem Apotheker zusammen das richtige auswählen: ASS wäre falsch, wenn zusätzlich Magenprobleme bestehen, bei einem Leberschaden hingegen rate ich von Paracetamol ab. Es gibt viele Ausnahmen, man sollte daher beim Apotheker nach der individuellen passenden Empfehlung fragen. Wenn die rezeptfreien Medikamen-te nicht ausreichen, kann der Arzt nach einem Stufenschema stärkere Wirkstoffe verordnen.

Wenn ich das passende Schmerzmittel einnehme, habe ich also keine Nebenwirkungen zu befürchten?

Donner: Schmerzmittel sind keine Bonbons. Wer nur ab und zu eine Tablette einnimmt, der muss sich keine großen Sorgen machen. Aber wer längerfristig oder häufiger Schmerzmittel einnimmt, bei dem können die Schmerzmittel sogar Schmerzen auslösen. Ich rate daher meinen Kunden, ohne Rücksprache mit dem Arzt Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander und über den Monat verteilt nicht an mehr als zehn Tagen einzunehmen.

Herr Apotheker Donner, wir danken für das Gespräch.

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