Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden Reformopfer

Dresden (SLAK, 26.09.2003): 

Im Zuge der Gesundheitsreform verschwinden nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Wirksame, risikoarme Arzneimittel muss der Patient künftig aus eigener Tasche bezahlen, weil sich die Politik davon Einsparungen ausrechnet. Für die Sächsische Landesapothekerkammer ist diese Sparmaßnahme wirtschaftlich und medizinisch zweifelhaft. „OTC-Arzneimittel wie Aspirin, Antiallergika oder Pilzmittel sind seit Jahren auf dem Markt und bestens auf Nebenwirkungen erforscht“, weiß Apotheker Göran Donner. Künftig dürfen Ärzte diese therapeutisch notwendigen Medikamente nur noch empfehlen. Der Patient entscheidet selbst, ob er sich das Arzneimittel leisten kann und will. Im schlimmsten Fall verzichtet er auf den Kauf. So werden Krankheiten verschleppt und hohe Therapiefolgekosten verursacht. Darüber hinaus befürchtet die Sächsische Landesapothekerkammer eine Über- bzw. Fehlversorgung. Ärzte werden ersatzweise auf teure, verschreibungspflichtige Arzneimittel ausweichen. Für Göran Donner ist dieses Verhalten vorprogrammiert: „Kein Arzt will Patienten verlieren und viele Patienten halten nur erstattungsfähige Medikamente für wirksam“. Damit wird der Wegfall der Erstattungspflicht für OTC-Arzneimittel zum kostspieligen Bumerang für die Krankenkassen. Verschreibungspflichtige Arzneimittel kosten oft das Dreifache und bergen höhere Risiken. Aus Sicht der Apotheker sprechen die Fakten eindeutig dafür, dass dieser Reformschritt nichts besser oder billiger macht. „Dagegen verschlechtert sich die Arzneimitteltherapie für den einzelnen Patienten. Das ist ein hoher Preis für jeden Versicherten“, schlussfolgert Donner.

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