Damit aus Medikamenten keine Umweltgifte werden

Dresden (SLAK, 22.05.2015): 

Alt-Arzneimittel keinesfalls über Waschbecken oder Toilette entsorgen

Die Krankheit ist überstanden, das Medikament aber nicht aufgebraucht; beim Ausmisten der Hausapotheke tauchen Präparate mit abgelaufenem Verfallsdatum auf. Was tun? Viele Deutsche entsorgen Alt-Arzneimittel einfach über Ausguss oder Toilette – mit fatalen Folgen für Umwelt und Trinkwasser. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, klärt über die Risiken falscher Arzneimittelentsorgung auf und gibt Tipps, wie man sich nicht mehr benötigter Medikamente sicher und umweltgerecht entledigt.

Herr Donner, warum sind falsch entsorgte Arzneimittel so problematisch?

Hierzulande ist jeder Bürger selbst für die Entsorgung seiner Alt-Medikamente verantwortlich, weil es kein zentrales System dafür gibt. Knapp 50% aller Deutschen wissen aber nicht, wie man es richtig macht, und kippen Pillen, Säfte, Tropfen, Kapseln oder Salben einfach ins Waschbecken oder in die Toilette. Über das Abwasser gelangen die Wirkstoffe dann ins Grundwasser und so in Bäche, Flüsse und Seen; beim Düngen mit Klärschlamm auch in die Böden. Vor allem häufig verwendete und schwer abbaubare Substanzen lassen sich mittlerweile in fast allen Gewässern nachweisen. Für die Umwelt kann das schlimme Folgen haben: so tragen z. B. Hormonreste aus der „Pille“ bei männlichen Fischen nachweislich zur Verweiblichung bei. Und sogar im Trinkwasser findet man teilweise schon Medikamentenrückstände.

Können die Apotheken die Medikamente nicht einfach selbst zurücknehmen?

Viele Apotheken bieten die Entsorgung von Alt-Arzneimitteln als freiwilligen Service an und kommen dann selbst für die Entsorgungskosten auf. Zur Rücknahme verpflichtet sind sie allerdings nicht. Zum Wiederverkaufen zurücknehmen oder umtauschen dürfen sie dagegen selbst noch nicht angebrochene Arzneimittel grundsätzlich nicht, weil nicht mehr garantiert ist, dass diese durchgängig richtig gelagert wurden. Deshalb ist es auch keine gute Idee, überzählige Medikamente etwa an Hilfsorganisationen zu spenden, zumal der Aufwand für das Sortieren etc. viel zu hoch wäre.

Wie kann ich Arzneimittel denn dann sicher und umweltgerecht entsorgen?

Finden sich hierzu keine speziellen Angaben auf dem Beipackzettel, wirft man nicht mehr benötigte Medikamente und solche mit abgelaufenem Verfallsdatum einfach in den Restmüll. Bei der Müllverbrennung werden die Wirkstoffe zerstört, eventuell anfallende Reste grundwassersicher deponiert. Größere Mengen gibt man besser beim Recyclinghof oder Schadstoffmobil ab. Welche Entsorgungswege vor Ort jeweils die richtigen sind, darüber können sich Verbraucher auf der neuen Internetseite www.arzneimittelentsorgung.de ganz einfach informieren. Unter gar keinen Umständen darf man Arzneimittelmüll jedoch über Waschbecken oder Toilette entsorgen.

Ist die Entsorgung über den Hausmüll für alle Medikamente der richtige Weg?

Nein. Krebsmedikamente, bestimmte Hormonpräparate und virushemmende Mittel müssen grundsätzlich über Sondersammelstellen entsorgt werden, weil man sie nicht in den Hausmüll geben darf. Und auch bei einigen Präparaten, die im Hausmüll landen, ist besondere Vorsicht geboten: so enthalten Schmerzpflaster z. T. sehr starke Wirkstoffe, die für Kinder lebensgefährlich werden können. Zum Entsorgen deshalb die Klebeflächen aufeinanderlegen, fest miteinander verkleben und schnellstmöglich über den Hausmüll in den Restmüll geben. Generell sollten Medikamente nie in die Hände von Kindern oder Unbefugten gelangen – deshalb sollte man die Restmüll-Tonnen erst kurz vor der Leerung am Straßenrand bereitstellen.

Was kann ich sonst noch tun?

Am besten ist es, Arzneimittelmüll möglichst zu vermeiden: vorhandene Medikamente also z. B. erst aufzubrauchen, bevor man sich bei denselben Beschwerden gleich eine neue Packung kauft oder vom Arzt verordnen lässt. Davon ausgenommen sind jedoch u. a. Antibiotika: weil sie sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden, hilft nicht jedes Antibiotikum bei jeder Infektion. Welches Präparat auf den jeweiligen Erreger passt, kann tatsächlich nur der Arzt entscheiden. Will man dagegen beispielsweise Kopfschmerzen oder eine Erkältung im Wege der Selbstmedikation kurieren, sollte man sich unbedingt in der Apotheke beraten lassen, um so die am besten zum Beschwerdebild passenden Präparate gezielt auszuwählen.

 

Pressekontakt:

Göran Donner

Inhaber der Löwen-Apotheke

Kirchplatz 2,
01744 Dippoldiswalde

Tel: 03504 / 61 24 05
 / E-Mail: goeran.donner@apotheke-dipps.de

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