Elektronisches Rezept


Das e-Rezept kommt! –
Das Wichtigste im Überblick und kurz zusammengefasst


Die Telematikinfrastruktur (TI) wird künftig alle Akteure des Gesundheitswesens vernetzen und deren sektorenübergreifenden und sicheren Informationsaustausch gewährleisten. Mit der Sicherstellung der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens über die TI ist die gematik beauftragt.

Die Grundlagen für die Einführung der TI sind in § 291 SGB V (Sozialgesetzbuch) geregelt. Nach zahlreichen Verzögerungen hat der Gesetzgeber 2016 im „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ (E-Health-Gesetz) einen neuen Zeitrahmen definiert. Es folgten 2019 das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV). Demnach müssen die Krankenkassen ihren Versicherten seit 1. Januar 2021 eine ePA anbieten; die Festlegung ihrer Inhalte obliegt federführend den Kassenärzten.

Im Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) wurde festgelegt, dass Apotheken seit 30. September 2020 an die TI angeschlossen sein sollen.
 

Übersicht Pflichtanwendung

Abb. 1: Übersicht zu Pflichtanwendungen und freiwilligen Anwendungen, die die TI Versicherten und Leistungserbringern jetzt und künftig bietet

Quelle: gematik GmbH

 

Fachanwendungen der Telematikinfrastruktur

Die Telematikinfrastruktur bietet Versicherten und Leistungserbringern verschiedene Anwendungen. Diese lassen sich in Pflichtanwendungen und freiwillige Anwendungen unterscheiden.

Die Pflichtanwendungen sind für alle Mitglieder der gesetzlichen und privaten Krankenkassen verbindlich. Dazu zählen der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, das elektronische Empfangen und Einlösen einer Verordnung (eVerordnung) mit der Karte sowie die Verwendung der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) auf der Rückseite. Auf freiwilliger Basis können Versicherte künftig bspw. notfallrelevante Informationen auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte speichern lassen

Übersicht der Fachanwendungen:

Versichertenstammdaten: Mit dieser Anwendung wird online geprüft, ob die Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte aktuell sind bzw. ob überhaupt ein gültiges Versicherungsverhältnis besteht. Bei Bedarf werden die Daten aktualisiert. Ein Austausch der Karte – zum Beispiel bei Adress- oder Statusänderungen – ist dann nicht mehr notwendig. Dieser Online-Abgleich ist bei jedem ersten Patientenkontakt im Quartal verpflichtend.

Ein Notfalldatensatz (NFDM) enthält freiwillige Angaben zu chronischen Erkrankungen, regelmäßig eingenommenen Medikamenten oder Allergien. Das kann im Notfall hilfreich sein. Nur Ärzte dürfen die Notfalldaten im Ernstfall auch ohne Patienteneinwilligung lesen, beispielsweise wenn der Betroffene bewusstlos ist. Über den Notfalldatensatz hinaus können auch Informationen über den Aufbewahrungsort persönlicher Erklärungen angelegt werden. Persönliche Erklärungen sind:

  • ein Organspendeausweis,
  • eine Patientenverfügung oder
  • eine Vorsorgevollmacht.

Kommunikation im Medizinwesen (KIM): Ob Post, Fax oder einfach E-Mail – die Kommunikation zwischen Ärzten ist oftmals nicht ausreichend sicher und führt vielfach zu zeitlichen Verzögerungen. Ein analoger Arztbrief wird nachträglich digitalisiert, damit die Daten in der Verwaltungssoftware der zweiten Praxis zur Verfügung stehen. Durch die Einführung der sicheren Kommunikation können Befunde auf elektronischem Wege rechtsverbindlich, sicher und kompatibel zwischen Ärzten auf freiwilliger Basis verschickt werden.

E-Medikationsplan (eMP) und Datenmanagement zur Prüfung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS): Auf freiwilliger Basis können alle Medikationsdaten, Arzneimittelverordnungsdaten und Therapievorschlagsdaten für einen Patienten dokumentiert werden. Der behandelnde Arzt bzw. der Apotheker erhalten so einen strukturierten Überblick darüber, welche Medikamente die Patientin oder der Patient aktuell einnimmt.

Elektronische Patientenakte (ePA): Gesetzlich Versicherte haben seit dem 1. Januar 2021 ein Anrecht auf die Nutzung einer ePA. Diese wird von der jeweiligen Krankenkasse als App kostenlos bereitgestellt und kann auf mobilen Endgeräten installiert werden. Ziel der ePA ist eine umfassende Vernetzung des deutschen Gesundheitswesens. Medizinische Informationen liegen transparent vor und erleichtern zukünftig viele Abläufe.

Die Einrichtung und Nutzung einer ePA ist für Patienten selbstverständlich freiwillig. Mit ihr können Patienten jederzeit online auf ihre Gesundheitsdaten – wie zum Beispiel ihren elektronischen Medikationsplan (eMP) oder ihren Notfalldatensatz (NFDM) – zugreifen. Dabei bestimmt allein der Patient, wer Zugriff auf die Inhalte der ePA erhält. Ein Erklärvideo zur ePA findet sich unter anderem hier


Startschuss für das e-Rezept

Seit 1. Juli 2021 wird in der Fokusregion Berlin/Brandenburg in einem Pilotprojekt mit den LAVen Berlin und Brandenburg, Softwarepartnern, Rezeptabrechnungsstellen und der AOK Nordost die Digitalisierung ärztlicher Verordnungen erprobt. Mehr Informationen und Erkenntnisse zum e-Rezept-Pilotprojekt in Berlin-Brandenburg finden Sie hier.

 

Zeitplan Umsetzung

Abb. 2: Zeitplan für die flächendeckende Umsetzung des e-Rezepts (Stand Sept. 2021)

Quelle: gematik GmbH

Ursprünglich war die Nutzung des e-Rezeptes deutschlandweit ab dem 1. Januar 2022 für gesetzlich Versicherte für verschreibungspflichtige Arzneimittel und Rezepturen verpflichtend vorgesehen. Privatversicherte sollten zunächst weiterhin Papierrezepte erhalten.

In einer nächsten Ausbaustufe sollen auch BTM-, T-, TFG- und Sprechstundenbedarfs-Rezepte sowie Rezepte für Digitale Gesundheitsanwendungen als e-Rezepte ausgegeben werden.

Danach sind auch die Verordnung und Abrechnung von Heil- und Hilfsmitteln über das e-Rezept geplant.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat auf die u.a. durch den Deutschen Apothekerverband vorgetragene Kritik zum Umsetzungsstand des e-Rezepts reagiert. In einem Schreiben an die Mitglieder der gematik verschiebt das BMG den eigentlich für den 1. Januar 2022 gesetzlich festgelegten bundesweiten Start des e-Rezepts.

Das BMG schließt sich in dem Schreiben der Auffassung an, dass sich aus den bisherigen Ergebnissen der Testung in der Fokusregion Berlin/Brandenburg aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl noch nicht die erforderlichen Rückschlüsse ziehen ließen für eine flächendeckende technische Funktionalität.

Ein konkretes Datum für den nun verschobenen Start wird nicht genannt. Zunächst soll der Test- und Pilotbetrieb schrittweise fortgesetzt und ausgeweitet werden. Sobald die vereinbarten Qualitätskriterien dann erfüllt seien, soll die Umstellung auf das e-Rezept nach einem noch festzulegenden Rollout-Verfahren erfolgen.

Wir halten Sie selbstverständlich über die dann kommenden Schritte auf dem Laufenden und möchten Ihnen weiterhin ausdrücklich ans Herz legen, sich auf den bundesweiten Start des e-Rezeptes dennoch vorzubereiten.

Hierzu finden Sie eine Onboarding-Check-Liste der Gematik und eine Anleitung der Gematik zum E-Rezept für Apothekenteams. Darin werden wichtige Fragen beantwortet – zum Beispiel, was im Backoffice und in der Beratung zu beachten ist.

Darüber hinaus möchten wir Sie auf eine Anleitung hinweisen, welche Einstellungen Sie unter www.mein-apothekenportal.de vornehmen müssen, damit Ihre Apotheke in der gematik-App als e-Rezept-ready angezeigt wird.

Die Ärzte in Sachsen stellen vereinzelt bereits e-Rezepte aus. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind Apotheken aufgrund der aktuellen Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums nicht verpflichtet, ein e-Rezept anzunehmen und zu beliefern.

Sollte ein Versicherter mit einem e-Rezept eine Apotheke aufsuchen, muss die Apotheke das Rezept mit Verweis auf die Verschiebung der verpflichtenden Einführung nicht zwingend annehmen und kann dafür um Ausstellung eines Papierrezept (Muster 16) bitten.

Offiziell läuft die Testphase weiter, wobei laut gematik die jeweiligen Akteure aktiv ihre Teilnahme an der Testphase erklären müssen. Die gematik weist darauf hin, dass Arztpraxen und Apotheken sich nicht selbständig anmelden sollten, sondern dies mit den Softwareanbieter abstimmen (siehe https://www.gematik.de/anwendungen/e-rezept/testphase/).

Konkret heißt dies, dass sowohl Ärzte, Apotheken, Apothekenrechenzentren, Softwareanbieter als auch die Kassenseite eine entsprechende Teilnahme gegenüber der gematik erklärt haben müssen. Ob die Vergütung erfolgt, hängt u. a. auch davon ab, ob sowohl das Apotheken­rechenzentrum als auch die zahlungspflichtige Krankenkasse an der o. g. Testphase teilnehmen.

Eine Apotheke, die e-Rezepte annimmt, läuft unter Umständen Gefahr, dass ihr Vergütungsanspruch seitens der zahlungspflichtigen Krankenkasse abgelehnt wird. Ein Grund dafür kann neben der Nichtteilnahme der Krankenkasse an der Testphase auch in den noch vorhandenen technischen Unzulänglichkeiten (Probleme der Quittungssignatur etc.) liegen. Eine aufgrund fehlerhafter Datensätze eingereichter e-Rezepte mögliche Zurückweisung der Gesamtabrechnung kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.


 

Wie funktioniert das e-Rezept ganz praktisch?

Damit ein e-Rezept den Weg von der ausstellenden Arztpraxis in die Apotheke findet, muss es vom Patienten „transportiert“ werden. Für die Übermittlung des e-Rezepts wird ebenfalls die sichere Telematikinfrastruktur verwendet. Patientinnen und Patienten können entscheiden, ob ihnen die für die Einlösung ihres e-Rezepts erforderlichen Zugangsdaten als Papierausdruck in der Arztpraxis ausgehändigt werden sollen oder sie ihr e-Rezept per Smartphone und einer sicheren e-Rezept-App verwalten wollen.

Mit der gematik-App können gesetzlich Versicherte das von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt auf den gematik-Server hochgeladene e-Rezept empfangen und Informationen wie Hinweise zur Einnahme und Dosierung einsehen. Zum Einlösen eines e-Rezepts kann entweder der Rezeptcode, der auch als Token bezeichnet wird und wie ein Schlüssel funktioniert, in der App geöffnet und in der Apotheke vorgezeigt oder das Rezept bereits vorab an eine Apotheke ihrer Wahl übermittelt werden.

 

technischer Ablauf

Abb. 3: Technischer Ablauf der Tokenübergabe

Quelle: ABDA

Tokenauszug

Abb. 4: Beispieldarstellung für den Tokenausdruck zur Einlösung eines e-Rezeptes

Quelle: KBV

TIPP! „Was bedeutet das e-Rezept in der Apotheke? In einem ausführlichen Schulungsvideo 
stellt die gematik die Handhabung des e-Rezeptes für Apotheken vor.

 

Das e-Rezept in der Warenwirtschaft und der Abrechnung

Videotipp aus der Veranstaltungsreihe „PZ Nachgefragt“:

FAQ zum e-Rezept: Auf der Website der gematik finden sich Fragen und Antworten rund um das Thema e-Rezept, die speziell für den Arbeitsbereich der Apotheke zusammengetragen wurden.

Ein Informationsblatt für Apotheken – kurz und knapp aufbereitet –, mit dem sich auch Ihre Mitarbeiter einen ersten Überblick zum e-Rezept verschaffen können, finden Sie hier.

 

Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Ausführliche Informationen zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur, die dafür notwendigen Komponenten sowie die Formulare zur Beantragung der Refinanzierung finden Sie auf der Webseite des Nacht- und Notdienstfonds.

Die zwischen dem DAV und dem GKV-Spitzenverband verhandelte Refinanzierungsvereinbarung finden Sie im Mitgliederbereich auf der SAV-Webseite.

 

Informationen zum e-Rezept für Ihre Patienten

Unter www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de hat die gematik verständliche und gut illustrierte Informationen zum Thema bereitgestellt.

Auch die ABDA hat unter www.daserezeptkommt.de Informationen zusammengetragen, die Sie Ihren Kunden und Patienten weiterempfehlen können.

Im Rahmen der „Einfach unverzichtbar.“-Kampagne der ABDA lassen sich über www.apothekenkampagne.de mit dem Motiv-Generator Plakate mit unterschiedlichen Motiven zum Aushang in der Apotheke, ein Handzettel mit den wichtigsten Informationen rund um das e-Rezept für Patienten sowie Informationsschreiben für Apothekenteams herunterladen.
 

Unsere Bitte

Eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts KANTAR anlässlich des diesjährigen Tages der Apotheke am 7. Juni hat ergeben, dass 63 Prozent der Erwachsenen noch gar nichts vom e-Rezept gehört haben. Wann es eingeführt wird, wissen sogar 95 Prozent nicht.

Es ist deshalb in den nächsten Monaten noch sehr viel Aufklärungsarbeit in den Apotheken zu leisten, um den Patientinnen und Patienten die Angst zu nehmen, dass Beratung und Versorgung mit dem e-Rezept schlechter werden. An der Versorgungsstruktur der Vor-Ort-Apotheken wird sich nichts ändern. Sie bleiben weiter Ansprechpartner, mit dem e-Rezept können Patienten aber noch einfacher mit ihrer Apotheke kommunizieren und noch schneller versorgt werden.

Und bitte sehen auch Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz aller derzeitigen zusätzlichen Aufgaben im Apothekenalltag das e-Rezept nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Chance, die Arzneimittelversorgung langfristig weiter zu verbessern.

 

Ihre Sächsische Landesapothekerkammer
Ihr Sächsischer Apothekerverband


 

Stand: 15. Januar 2022

 

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01326 Dresden
Tel: 0351/2 63 93-0
Fax: 0351/2 63 93-500
E-Mail: sekretariat@slak.de

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