Elektronisches Rezept

 

Am 1. September 2022 startete offiziell deutschlandweit das e-Rezept für Apotheken. Wir danken allen Inhaberinnen und Inhabern und ihren Teams für ihr bisheriges Engagement und ihre Mitwirkung.

Bereits im August 2022 hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein mitgeteilt, nicht an der Startphase zur Einführung des e-Rezeptes teilnehmen zu wollen. Hintergrund dieser ablehnenden Haltung war, dass der Versand des Tokens per E-Mail aus datenschutzrechtlichen Gründen untersagt worden war. Ab dem 1. September 2022 startete daher lediglich die KV Westfalen-Lippe mit rund 250 Arztpraxen in die Rollout-Phase.

Am 3. November 2022 teilte die KV Westfalen-Lippe mit, die Fortführung der Testphase umgehend zu stoppen. Dies beruhe auf der Entscheidung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), die Übertragung der elektronischen Verordnung mittels der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in seiner aktuell angedachten Form abzulehnen. Der Entscheidung der KVWL folgten ebenfalls die Zahnärzte der Region.

Diese Umstände waren unter anderen auch Diskussionsgegenstand in der am 7. November 2022 stattgefundenen Gesellschafterversammlung der gematik.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als Mehrheitsgesellschafter der gematik hält weiterhin am e-Rezept-Rollout fest. Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten wird Phase 1 des Rollouts jedoch so lange beibehalten, bis die eGK zum Abruf der e-Rezepte in der Apotheke genutzt werden kann.

Dazu gibt es derzeit Abstimmungsrunden zwischen der gematik, dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Aktuell geht man davon aus, dass bis Mitte 2023 eine entsprechende Lösung umgesetzt werden kann.

Eine weitere Erleichterung zur Übermittlung des Tokens wurde dahingehend beschlossen, als dass künftig die Nutzung der gematik App ohne NFC-fähige eGK (plus PIN) ermöglicht werden soll. Damit wäre die Zuweisung eines Tokens vom Patienten an eine Apotheke seiner Wahl unproblematisch möglich.

Eine konkrete Umsetzungsfrist wurde hingegen nicht genannt.

Weiter thematisiert und einheitlich beschlossen wurde die „automatisierte“ Bereitstellung der elektronischen Patientenakte (ePa) für jeden Patienten, sofern er nicht aktiv widerspricht (opt out). Zudem hat man sich darauf verständigt, den elektronischen Medikationsplan (eMP) in die ePA zu integrieren.

Die gematik hat ein Dashboard eingerichtet, auf welchem man tagesaktuell den Stand der eingelösten e-Rezepte abrufen kann.

Ferner möchten wir Sie auf weitere Punkte im Zusammenhang mit dem e-Rezept hinweisen:

  • Bei der Verarbeitung von e-Rezepten ist ein Backup-System unerlässlich. Wenden Sie sich bitte diesbezüglich an Ihren jeweiligen Apothekensoftwareanbieter.
     
  • Derzeit dürfen nur Arzneimittel zulasten der GKV als e-Rezept verordnet werden.
    Bei der Verordnung von Blutzuckerteststreifen ist zu beachten, dass diese Produkte erst ab dem 01.07.2026 über das e-Rezept verordnungsfähig sind. Die frühere Ausstellung von elektronischen Verordnungen von Blutzuckerteststreifen ist nicht ausgeschlossen, jedoch aufgrund einer möglichen Wettbewerbsverzerrung zu unterlassen. Der Hintergrund ist, dass die sonstigen Leistungserbringer (z. B. Sanitätshäuser) noch nicht an die Telematikinfrastruktur angeschlossen und daher von der Einlösung von e-Rezepten ausgeschlossen sind.

    In folgenden Fällen sind außerdem zunächst keine e-Rezepte zulässig, sondern werden erst in weiteren Ausbaustufen ermöglicht oder sogar verpflichtend:
    • BtM-Rezepte
    • T-Rezepte
    • Verordnung von sonstigen nach §31 SGB V einbezogenen Produkten (etwa Verbandmittel und Teststreifen)
    • Verordnung von Hilfsmitteln
    • Verordnung von Sprechstundenbedarf
    • Verordnung von Blutprodukten
    • Verordnungen von Digitalen Gesundheitsanwendungen
    • Verordnungen zulasten von sonstigen Kostenträgern, zum Beispiel Sozialhilfe, Bundespolizei, Bundeswehr etc.
    • Verordnungen für im Ausland Versicherte
  • Für PKV-Versicherte besteht aktuell noch keine Möglichkeit zur Ausstellung von e-Rezepten. Wann die elektronische Verordnung möglich ist, regelt der PKV-Verband.
     
  • Alle e-Rezepte, die im zentralen Fachdienst (zentraler Server in der TI) gespeichert sind, werden nach 100 Tagen automatisch gelöscht, egal ob diese eingelöst oder nicht eingelöst wurden (§ 360 SGB V). Der Patient kann zuvor das Rezept auch manuell in der e-Rezept App löschen.
     
  • Nach vollständiger Einlösung eines e-Rezeptes wird aus datenschutzrechtlichen Gründen empfohlen, dass die abgebende Apotheke den Papiertoken einbehält und vernichtet.

Weitere Antworten auf die aktuell häufigsten Fragen wurden vom DAV in einer FAQ-Liste zusammengetragen. Eine weitere FAQ-Liste bietet auch die gematik an. 

Es sind im Kontext der Bereitschaft zur Belieferung von e-Rezepten folgende Voraussetzungen erforderlich:

  • Die technische Voraussetzung zum Empfang von e-Rezepten umfasst die Verfügbarkeit und Funktionsbereitschaft dezentraler TI-Komponenten (Konnektor/Kartenterminals) sowie die Installation des entsprechendes e-Rezeptmoduls im Apothekenverwaltungssystem, das Vorhandensein einer SMC-B-Karte sowie von ausreichend HBA inkl. PIN.
     
  • Die organisatorische Voraussetzung umfasst die ausreichende Information und den Schulungsgrad des Apothekenpersonals. Schulungen im Kontext des e-Rezepts werden von den jeweiligen Apothekensoftwarehäusern angeboten.

Hier finden Sie eine Onboarding-Check-Liste der Gematik und Informationen zum e-Rezept für Apotheken

 

Wie funktioniert das e-Rezept ganz praktisch?

Damit ein e-Rezept den Weg von der ausstellenden Arztpraxis in die Apotheke findet, muss es vom Patienten „transportiert“ werden. Für die Übermittlung des e-Rezepts wird ebenfalls die sichere Telematikinfrastruktur verwendet. Patientinnen und Patienten können entscheiden, ob ihnen die für die Einlösung ihres e-Rezepts erforderlichen Zugangsdaten als Papierausdruck in der Arztpraxis ausgehändigt werden sollen oder sie ihr e-Rezept per Smartphone und einer sicheren e-Rezept-App verwalten wollen.

Mit der gematik-App können gesetzlich Versicherte das von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt auf den gematik-Server hochgeladene e-Rezept empfangen und Informationen wie Hinweise zur Einnahme und Dosierung einsehen. Zum Einlösen eines e-Rezepts kann entweder der Rezeptcode, der auch als Token bezeichnet wird und wie ein Schlüssel funktioniert, in der App geöffnet und in der Apotheke vorgezeigt oder das Rezept bereits vorab an eine Apotheke ihrer Wahl übermittelt werden.

 

technischer Ablauf

Abb. 3: Technischer Ablauf der Tokenübergabe

Quelle: ABDA

Tokenauszug

Abb. 4: Beispieldarstellung für den Tokenausdruck zur Einlösung eines e-Rezeptes

Quelle: KBV

 

Wie läuft das e-Rezept in der Apotheke ab

Abb. 5 Wie läuft das e-Rezept in der Apotheke ab?

Quelle: gematik


 

Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Ausführliche Informationen zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur, die dafür notwendigen Komponenten sowie die Formulare zur Beantragung der Refinanzierung finden Sie auf der Webseite des Nacht- und Notdienstfonds.

Die zwischen dem DAV und dem GKV-Spitzenverband verhandelte Refinanzierungsvereinbarung finden Sie im Mitgliederbereich auf der SAV-Webseite.

 

Informationen zum e-Rezept für Ihre Patienten

Unter www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de hat die gematik verständliche und gut illustrierte Informationen zum Thema bereitgestellt.

Auch die ABDA hat unter www.daserezeptkommt.de Informationen zusammengetragen, die Sie Ihren Kunden und Patienten weiterempfehlen können.

Im Rahmen der „Einfach da für dich.“-Kampagne der ABDA lassen sich über www.apothekenkampagne.de mit dem Motiv-Generator Plakate mit unterschiedlichen Motiven zum Aushang in der Apotheke, ein Handzettel mit den wichtigsten Informationen rund um das e-Rezept für Patienten sowie Informationsschreiben für Apothekenteams herunterladen.
 

Unsere Bitte

Eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts KANTAR anlässlich des diesjährigen Tages der Apotheke am 7. Juni hat ergeben, dass 63 Prozent der Erwachsenen noch gar nichts vom e-Rezept gehört haben. Wann es eingeführt wird, wissen sogar 95 Prozent nicht.

Es ist deshalb in den nächsten Monaten noch sehr viel Aufklärungsarbeit in den Apotheken zu leisten, um den Patientinnen und Patienten die Angst zu nehmen, dass Beratung und Versorgung mit dem e-Rezept schlechter werden. An der Versorgungsstruktur der Vor-Ort-Apotheken wird sich nichts ändern. Sie bleiben weiter Ansprechpartner, mit dem e-Rezept können Patienten aber noch einfacher mit ihrer Apotheke kommunizieren und noch schneller versorgt werden.

Und bitte sehen auch Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz aller derzeitigen zusätzlichen Aufgaben im Apothekenalltag das e-Rezept nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Chance, die Arzneimittelversorgung langfristig weiter zu verbessern.

 

Ihre Sächsische Landesapothekerkammer
Ihr Sächsischer Apothekerverband


 

Stand: 14. November 2022

 

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Tel: 0351/2 63 93-0
Fax: 0351/2 63 93-500
E-Mail: sekretariat@slak.de

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