Aufbruch und "Bemächtigung" zum 7. Sächsischen Apothekertag

Dresden / Leipzig (SLAK / SAV, 26.04.2009): 

Die Sächsische Landesapothekerkammer, der Sächsische Apothekerverband e. V. und die Landesgruppe Sachsen der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e. V. führten ihren 7. Sächsischen Apothekertag am 25. und 26. April 2009 im Neuen Rathaus in Leipzig durch. 20 Jahre nach der friedlichen Revolution in Leipzig präsentieren sich die sächsischen Apotheker besonnen und selbstbewusst. Herausragender Festredner in diesem Jahr war Dr. Joachim Gauck.
Keine Musik und keine Rede leiteten ein in die diesjährige feierliche Eröffnungsveranstaltung, sondern ein eigens für diesen Tag produzierter 10-minütiger Film, der mit Originalbildern der Montagsdemonstrationen in Leipzig und Interviewsequenzen beteiligter Apotheker die gut 200 Gäste sofort in seinen Bann zog. Mit dem seinerzeit in Leipzig geprägten Satz „Wir sind das Volk“ beendete Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, die Begrüßung der Anwesenden, zu denen u. a. die Sächsische Staatsministerin für Soziales Christine Clauß, sowie die Mitglieder des Bundestages Maria Michalk, CDU und Dr. Marlies Volkmer, SPD, gehörten. Für die FDP konnte Kristin Schütz, gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Sächsischen Landtag, begrüßt werden. Ein Grußwort der sächsischen LINKEN wurde schriftlich übergeben. Vertreter der Grünen waren der Einladung nicht gefolgt.
Die Grußworte der anwesenden Politiker waren geprägt von Dankbarkeit und Unterstützung für die sächsischen Apotheken und das derzeitige System der flächendeckenden, sicheren Arzneimittelversorgung. Ministerin Clauß versicherte den anwesenden Apothekerinnen und Apothekern im Kontext der gescheiterten sächsischen Bundesratsinitiative für ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten weiterhin ihre volle Unterstützung. Mit dem diskutierten Verbot der so genannten Arzneimittel-Pickupstellen skizzierte sie eine politisch durchsetzbarere Alternative, welche derzeit geprüft werde: „Wir wollen und werden nicht aufgeben.“ Mit Blick auf das nahende Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum deutschen Fremdbesitzverbot im Apothekenwesen signalisierte die Ministerin Optimismus, riet den anwesenden Pharmazeuten aber gleichzeitig an, ihr Alleinstellungsmerkmal der hohen Beratungskompetenz und verantwortungsvollen Arbeit in der Mitte der Gesellschaft nicht aufs Spiel zu setzen und sich stets auf eigene Stärken zu besinnen.
Dr. Karoly Zalai, Vizepräsident der Ungarischen Apothekerkammer und Dr. Zdenek Blahuta, Vorstandsmitglied des Tschechischen Apothekerverbandes begrüßten im Anschluss an die Politikerinnen herzlich ihre sächsischen Kollegen und warnten aus Erfahrung in ihren eigenen Ländern vor den Folgen einer weitreichenden Liberalisierung der Arzneimitteldistribution und machten deutlich, dass die Patienten dabei auf der Strecke bleiben. Herr Zalai beendete seine Ausführungen in perfekter deutscher Sprache mit „Aufpassen…sage ich Ihnen.“

Dass Apotheker nicht nur ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen, sondern für den Bestand eines sicheren, verlässlichen und patientenfreundlichen Systems der Arzneimittelversorgung politisch zu kämpfen wissen, machte Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes, in einer emotionalen und selbstbewussten Eröffnungsrede deutlich, wofür sie lang anhaltenden Applaus erhielt. Mit einer deutlichen und kritischen Stellungnahme zu den apothekerfreundlichen politischen Statements wies sie darauf hin, dass sich die sächsische Gesundheitspolitik leider wenig in der Bundespolitik und den Fraktionen im Deutschen Bundestag spiegelt. Dort werde letztendlich über die Zukunft unserer Arzneimittelversorgung entschieden. Die Politik müsse sich bald festlegen, welche Arzneimittelversorgung sie in Zukunft haben möchte und die Apothekerinnen und Apotheker würden vor den anstehenden Wahlen genau hinschauen, was sie von welcher Partei zu erwarten hätten. Gleichzeitig sparte sie aber nicht mit berufspolitischer Selbstkritik und richtete die gleiche Frage an ihre Kolleginnen und Kollegen.
Den Höhepunkt erreichte die feierliche Eröffnung des 7. Sächsischen Apothekertages mit der Festrede von Dr. Joachim Gauck, der als Mitbegründer des „Neuen Forum“ und langjähriger Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik entscheidend zur politischen Wende in der damaligen DDR beigetragen hat. Was der Träger des Bundesverdienstkreuzes unterhaltsam, bild- und erinnerungsreich wie würdevoll in einer knapp einstündigen Rede verdeutlichte war, dass der Mitläufer in jedem Menschen steckt. Umso mehr stellte er aber die menschliche Fähigkeit heraus, Angst und Ohnmacht ablegen zu können und sich wieder selbst zu „bemächtigen“, wie es vor 20 Jahren die Bürger der DDR taten. Die Radikalen links wie rechts, die Ohnmacht zum Prinzip erhöben, fuhr er rhetorisch aufs gesellschaftliche Abstellgleis. Der „Ostalgie“, die einen kritischen Blick auf das politische System der DDR blocken kann und auf Scham, Reue und Trauer verzichte, stellte er ebenfalls ein bedenkliches Zeugnis aus.
„Die Sachsen schworen auf das Prinzip der Ermächtigung, als sie den Satz `Wir sind das Volk!´ prägten. Wir sind zur Freiheit ermächtigt.“ Schönere und richtungsweisendere Schlussworte kann man zu einem Jubiläum dieser Art und vor einem Publikum, welches berufspolitisch für Freiheit und Unabhängigkeit kämpft, nicht finden.

Apotheker sind Arzneimittelfachleute, die sich regelmäßig und wissenschaftlich fundiert fortbilden. Eingebettet in den Apothekertag war deshalb ein Pharmazeutischer Fortbildungskongress, auf dem namhafte Referenten unter dem Thema „Arzneimitteltherapie im Alter“ die Therapie altersbedingter Erkrankungen und die pharmazeutische Betreuung von Senioren in den Mittelpunkt rückten. Wie in den vergangenen Jahren bot der zweite Tag auch ein Fortbildungsangebot für Pharmazieingenieure und Pharmazeutisch-Technische AssistentInnen (PTA).


Pressekontakt:
Sächsische Landesapothekerkammer,
Solveig Wolf,
Tel. 0351/263 93 - 0

Sächsischer Apothekerverband e. V.,
Nils Werner,
Tel. 0341/336 52 - 0

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