Grippe: die unterschätzte Krankheit

Dresden (SLAK, 28.10.2014): 

Impfung im Herbst bietet effektiven Schutz nicht nur für Risikogruppen

Alle Jahre wieder geht in Deutschland im Winter die Grippe um. Trotz ähnlicher Symptome ist die Viruserkrankung bei weitem nicht so harmlos wie eine Erkältung, sondern kann zu ernsten Komplikationen und im Extremfall sogar zum Tod führen. Effektiven Schutz bietet die jährliche Grippeschutzimpfung. Doch noch viel zu wenige Menschen lassen sich hierzulande gegen Grippe impfen. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Infektionskrankheit und sagt, wie man sich davor schützen kann.

Herr Donner, was ist eigentlich eine Grippe? Und wie unterscheidet sie sich von einer Erkältung?

Eine Grippe ist eine Infektion mit Influenza-Viren, die hierzulande vor allem in den Wintermonaten gehäuft auftritt. Betroffen sind meist zunächst die oberen Atemwege, was zu Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Frösteln führt. Diese Symptome sind denen einer Erkältung sehr ähnlich, weshalb beide Krankheiten häufig verwechselt werden. Kommen starkes Krankheitsgefühl, hohes Fieber (38,5° und höher) sowie heftige Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, deutet dies auf eine echte Grippe hin. Sie kann zu weiteren Beschwerden wie Bindehautentzündung oder Magen-Darm-Problemen führen. Beim sogenannten „grippalen Infekt“ haben wir es hingegen mit einer normalen Erkältung zu tun, die durch eine Vielzahl unterschiedlicher Erreger ausgelöst werden kann. Sie verläuft weniger heftig und vergeht in der Regel nach einigen Tagen von selbst wieder.

Was macht die echte Grippe gegenüber einer Erkältung so viel gefährlicher?

Es kommt viel häufiger zu Komplikationen und schweren Verlaufsformen. Der geschwächte Organismus ist zum einen anfälliger für bakterielle Zweitinfektionen, die z. B. das Mittelohr oder die Nasennebenhöhlen treffen können. Zum anderen kann sich die Grippe auf innere Organe ausweiten: kommt es zu einer Entzündung beispielsweise von Lunge, Herzmuskel oder Hirnhaut, kann dies lebensbedrohlich werden. In Deutschland sterben jedes Jahr mehrere Tausend Menschen durch die Grippe.

Welche Risikogruppen sind denn besonders gefährdet?

Ein höheres Erkrankungs- und Komplikationsrisiko haben in erster Linie Menschen, deren Immunsystem nicht völlig „fit“ ist: Bei Senioren über 60 Jahren arbeitet es weniger schnell und effektiv, bei Säuglingen und Kleinkindern ist es noch nicht voll ausgebildet. Auch bestehende chronische Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes beeinträchtigen die Immunabwehr; für Menschen mit geschwächtem Herz-Kreislauf-System bedeutet das hohe Fieber eine zusätzliche Belastung. Bei Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel ist zudem das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt erhöht. Besonders ansteckungsgefährdet sind nicht zuletzt alle, die beruflich viel mit anderen Menschen zu tun haben, etwa in Behörden, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen – bei letzteren auch deren Bewohner. Diesen Risikogruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), sich auf jeden Fall impfen zu lassen. Die Kosten hierfür übernehmen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen. Leider sind die Impfquoten in Deutschland noch viel zu niedrig, bei den Senioren liegt sie bei gerade einmal 44%.  

Was gibt es rund um die Grippeschutzimpfung zu beachten?

Sie sollte rechtzeitig vor Beginn der Erkältungssaison erfolgen, also am besten im Herbst. Denn bis sich der vollständige Schutz aufgebaut hat, vergehen etwa zwei Wochen. Danach gilt: besser spät als nie. Man sollte aber nicht allzu lange warten, da der Höhepunkt der Grippewelle erfahrungsgemäß im Januar und Februar liegt. Wer sich zu spät impfen lässt, kann sich aufgrund der verzögert einsetzenden Schutzwirkung durchaus noch eine Grippe holen. Und: vor einer normalen Erkältung ist man auch mit Grippeimpfung nicht gefeit. Die Impfung kann übrigens nur erfolgen, wenn kein akuter Infekt vorliegt. Säuglinge können sie ab dem 7. Lebensmonat erhalten, bei jüngeren Babys ist die Immunisierung des Umfelds extrem wichtig. Nicht zuletzt sollte man die Impfung unbedingt jährlich auffrischen.

Warum ist die jährliche Auffrischung so wichtig?

Der Grippeerreger ist ein extrem „cleveres“ Virus: es kann seine Oberfläche dauerhaft verändern und überlistet so quasi unser Immunsystem. Weil dieses den Erreger nicht wiedererkennt, sind die im Zuge früherer Grippeerkrankungen gebildeten Antikörper wirkungslos. Der Impfstoff wird deshalb jährlich an die drei Erreger-Varianten angepasst ist, die gerade hauptsächlich im Umlauf sind. Da seine Entwicklung etwas Zeit in Anspruch nimmt, kann es allerdings sein, dass das Virus ihn „überholt“ und sich bis zum Winter schon wieder verändert hat. Zudem existieren mehrere Virenstämme, die sich unterschiedlich stark ausbreiten. Die Impfung kann also nicht zu 100% schützen, senkt aber das Erkrankungsrisiko ganz erheblich und mildert im Falle einer Infektion den Krankheitsverlauf deutlich ab. Auch das macht die regelmäßige Impfung vor allem für Ältere und chronisch Kranke so wichtig. Da ihr Immunsystem schlechter arbeitet, gibt es für sie mittlerweile spezielle Impfstoffe mit Wirkverstärkern.

Kann man durch die Impfung Grippe bekommen?

Dieses weit verbreitete Vorurteil ist falsch: Da der Impfstoff aus Bruchstücken abgetöteter Viren besteht, kann die Impfung keine Erkrankung hervorrufen. Möglich ist allerdings eine Impfreaktion in den ersten Tagen, bei der sich die Körperregion um die Einstichstelle rötet, anschwillt oder schmerzt. Auch Müdigkeit, Gliederschmerzen und Frösteln können auftreten. Enthält der Impfstoff einen Wirkverstärker, kann dieser die Impfreaktion ebenfalls intensivieren.

Was kann man zusätzlich tun, um sich zu schützen?

Den besten Schutz bietet die Impfung in Kombination mit gründlicher Handhygiene und Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Zudem sollte man engen Kontakt zu Erkrankten meiden und Menschenansammlungen möglichst aus dem Weg gehen. Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung, am besten im Freien, genügend Schlaf und wenig Stress schützen nicht nur vor Grippe, sondern auch vor anderen Erregern und fördern darüber hinaus generell Gesundheit und Wohlbefinden.

 

Pressekontakt:

Göran Donner

Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer
Inhaber der Löwen-Apotheke am Marktplatz
Kirchgasse 2,
01744 Dippoldiswalde

Tel: 03504 / 61 24 05
 / E-Mail: goeran.donner@apotheke-dipps.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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