Schmackhafte Heilkraft von Anis bis Zimt

Dresden (SLAK, 27.11.2019): 

Gewürze sind nicht nur lecker, sondern auch gesund

Ingwer, Nelken, Muskat, Vanille: Gewürze sind aus der Weihnachtsbäckerei nicht wegzudenken. Die kleinen Geschmackswunder sorgen aber nicht nur für aparte Aromen: Ihre Inhaltsstoffe wirken sich auch positiv auf Wohlbefinden und Gesundheit aus. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, stellt die wichtigsten Weihnachtsgewürze und ihr heilsames Potential vor.

Herr Donner, Gewürze spielen in der Weihnachtszeit von jeher eine große Rolle. Warum?

Das hat mehrere Gründe. Zunächst ist Weihnachten traditionell ein Fest des guten und reichlichen Essens. Die Weihnachtsgewürze sorgen für tolle Geschmackserlebnisse und unterstützen zudem fast alle die Verdauung. Überdies wirken viele von ihnen auch keimtötend bzw. hemmen Entzündungen – das macht sie in der Erkältungszeit zusätzlich wertvoll. Und nicht zuletzt beeinflussen sie die Psyche, heben die Stimmung oder helfen dabei, sich zu entspannen – in der dunklen Winterzeit ein hochwillkommenes „Seelen-Doping“. Ein gutes Beispiel ist die Vanille: Ihr Duft beruhigt, löst Ängste und macht gute Laune. Da er den menschlichen Sexualduftstoffen ähnelt, sagt man Vanille zudem eine aphrodisierende Wirkung nach. In Kosmetika wird sie zudem für ihre entzündungshemmenden und keimtötenden Eigenschaften geschätzt.

Wie kommt es, dass Gewürze gleich mehrfach wirken?

Das verdanken wir den enthaltenen ätherischen Ölen. Diese komplexen chemischen Gemische sorgen nicht nur fürs angenehme Aroma, sie beeinflussen auch unseren Organismus. Und das nicht nur über den Verdauungstrakt! Weil ätherische Öle leicht flüchtig sind, bezaubern uns Zimt, Nelken und Co. ja immer auch mit ihrem Duft – und gelangen über den Geruchssinn ins Gehirn, wo sie dann auf Stimmung und Gemüt einwirken. Da ätherische Öle zudem gut über die Haut aufgenommen werden, eignen sich einige davon auch als Badezusatz oder zum Massieren. So lindert etwa Piment Muskelkater, Verspannungen und rheumatische Beschwerden. Innerlich genossen, regt er die Verdauung an, stärkt den Magen und hilft bei Blähungen und Appetitlosigkeit.

Woher weiß man das alles?

Die Heilwirkungen von Gewürzen sind seit alters her bekannt, sie wurden und werden in der traditionellen Medizin vieler Völker eingesetzt. Hier in Europa hat bereits im 12. Jahrhundert Hildegard von Bingen auf die wohltuenden Wirkungen von Gewürzen hingewiesen. Man kultivierte sie in Klostergärten oder führte sie aus fernen Ländern ein; einige Gewürze waren so kostbar, dass man sie mit Gold aufwog. Den Apothekern dienten sie – gemeinsam mit Zucker – lange Zeit auch dazu, den oft bitteren Geschmack mancher Arzneimittel zu überdecken. Hierfür haben sie eine Art Ur-Lebkuchen erfunden: Die sogenannten Morsellen – das bedeutet: „kleine Bissen“ – enthielten gehackte Mandeln und Nüsse sowie häufig Zitronat, Zimt, Ingwer und Gewürznelken.

Haben diese Weihnachtsklassiker auch Heilkräfte?

Aber ja! Die Gewürznelke ist sogar ein echter Alleskönner. Als Hausmittel gegen Zahnschmerzen ist sie vielen bekannt, aber sie fördert auch die Verdauung und lindert Krämpfe. Zudem schätzt man ihre keimtötende und entzündungshemmende Wirkung – früher setzte man sie deshalb auch zur Konservierung von Lebensmitteln ein. Nicht zuletzt sagt man ihr eine beruhigende Wirkung nach. Auch Zimt soll die Stimmung heben und die Psyche stärken, gleichzeitig macht er Appetit, kurbelt die Verdauung an und kann so Völlegefühl, Blähungen und Sodbrennen vorbeugen. Zudem gibt es Hinweise, dass er sich – ebenso wie Ingwer – positiv auf Blutdruck und Blutzuckerspiegel auswirkt und die Zellen gegen oxidativen Stress schützt. Die meisten kennen Ingwer lediglich als klassisches „Anti-Erkältungs-Gewürz“, da seine Scharfstoffe Entzündungen hemmen und innerlich wärmen. Aber er wirkt auch vorzüglich gegen Magen-Darm-Probleme, insbesondere Übelkeit und Brechreiz, und kann sogar Schmerzen lindern.

Welche Gewürze empfehlen Sie noch?

Ihren festen Platz in der Weihnachtsbäckerei haben auch Koriander, Kardamom und Anis. Weil Kardamom die Magensaft- und Gallenbildung anregt, wirkt er gegen Völlegefühl, Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden. Überdies vertreibt er Knoblauch- und Alkoholfahnen, soll Erkältungen bekämpfen und die Stimmung heben. Am Koriander schätzt man seine keim- und pilztötende, entzündungshemmende
Wirkung – nicht umsonst setzte man ihn früher als „Brotgewürz“ ein. Zudem wirkt er krampflösend und hilft bei Blähungen und Völlegefühl. Ein bekanntes Hausmittel ist nicht zuletzt Anis: Er lindert dank seiner krampflösenden Eigenschaften Verdauungsbeschwerden und hilft als Schleimlöser auch bei Husten und Schnupfen. Zudem regt er wie Fenchel und Kümmel die Milchbildung an.

Haben Sie Tipps zur Anwendung?

Welche Gewürze man zum Kochen und Backen verwendet, ist natürlich Geschmackssache. Wichtig ist, sich stets genau an die vorgegebenen Mengen zu halten. Denn zu hoch dosiert, können z. B. Muskat, Safran und Zimt giftig sein. Und für alle Gewürze gilt: Frisch gemahlen schmecken sie am intensivsten, aufbewahren sollte man sie vor Feuchtigkeit, Licht und Luft geschützt. Wer Gewürzöle äußerlich oder innerlich direkt anwenden will, sollte sich hierzu unbedingt in der Apotheke beraten lassen. Einige Öle reizen nämlich Haut oder Schleimhäute oder können bei Schwangeren Wehen auslösen. Und bei kleinen Kindern gilt: Ätherische Öle nie im Bereich von Mund und Nase anwenden – das kann zu Atemnot führen. Wer diese Vorsichtsmaßnahmen beachtet, darf sich auf ein genussvolles Weihnachtsfest freuen.



Pressekontakt:

Göran Donner

Löwen-Apotheke

Kirchplatz 2, 
01744 Dippoldiswalde

Tel.: 03504/ 61 24 05 / E-Mail: vizepraesident@slak.de

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