Orientierung im Medikamentendschungel

Dresden (SLAK, 23.08.2018): 

Apotheken leisten wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapie-Sicherheit

Ältere oder chronisch kranke Menschen müssen oft dauerhaft mehrere Medikamente parallel einnehmen. Doch häufig steigt mit der Anzahl der Arzneimittel auch die Unsicherheit bei der Anwendung – und das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen. Rat und Hilfe finden Patienten in ihrer Apotheke. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer erklärt, warum es so wichtig ist, die eigene Medikation von den Arzneimittelexperten in der Apotheke überprüfen zu lassen.

Herr Donner, welche Probleme kann es bei der Arzneimitteltherapie geben?

Fast ein Viertel der Deutschen über 18 Jahren nimmt regelmäßig drei oder mehr ärztlich verordnete Medikamente ein, bei den über 70-jährigen ist es sogar jeder zweite. Bei fast 30 Prozent der Patienten kommen noch rezeptfreie Arzneimittel hinzu. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer damit, ihre Medikamente korrekt und verordnungskonform einzunehmen, weil Wahrnehmung, Gedächtnis oder Feinmotorik schon nachgelassen haben. Zudem steigt mit jedem weiteren Mittel das Risiko für potentiell gefährliche Neben- und Wechselwirkungen – zumal die Verordnungen in mehr als der Hälfte der Fälle von verschiedenen Ärzten stammen.

Und wie lassen sich solche Probleme lösen bzw. vermeiden?

Um eine sichere Arzneimitteltherapie zu gewährleisten, sollte die Medikation unbedingt von einem Arzneimittelexperten – und das sind in Deutschland die Apotheker – überprüft und ggf. in Absprache mit dem Arzt angepasst werden. Dafür muss er einen Überblick über die gesamte Medikation haben, bislang fehlte es in Deutschland hierfür aber an den entsprechenden Voraussetzungen. Patienten, die dauerhaft drei oder mehr Medikamente parallel einnehmen, haben zwar seit Oktober 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf einen schriftlichen Medikationsplan. Aber das ist lediglich ein erster Schritt in die richtige Richtung und reicht längst nicht aus. Derzeit werden solche Pläne noch viel zu selten von Haus- oder Fachärzten herausgegeben. Aktuell laufen bundesweit mehrere Modellprojekte, in denen Medikationspläne auch in elektronischer Form gemeinsam von Arzt und Apotheker gepflegt werden, u. a. die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen, kurz: ARMIN.

Die Apotheker sind also in einer Schlüsselposition, wenn es um Arzneimitteltherapie-Sicherheit geht?

Ganz genau. Patienten, die ihre Medikation in der Apotheke überprüfen lassen, haben anschließend nachweislich weniger arzneimittelbezogene Probleme. Das können vermeidbare Wechselwirkungen oder Unklarheiten bei der Anwendung, etwa dem Einnahmezeitpunkt, sein. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle können die Apotheker die Probleme gleich selbst lösen. Andernfalls kontaktieren sie den behandelnden Arzt, um gemeinsam mit ihm die Medikation zu optimieren. Die Apotheken sind hierfür zweifach prädestiniert: weil dort ausgebildete Pharmazeuten arbeiten und weil 88 Prozent der Deutschen eine Stammapotheke haben. Dort kennt man den Patienten mit seiner Krankengeschichte und weiß auch, welche Arzneimittel er rezeptfrei erwirbt. Ist die gesamte Medikation bekannt, lassen sich arzneimittelbezogene Probleme sehr schnell erkennen.

Welche Rolle spielen Medikationspläne dabei?

Ein Medikationsplan führt alle Medikamente bzw. Wirkstoffe auf, die ein Patient einnimmt, und informiert darüber, warum, wie und wann jedes von ihnen eingenommen werden soll – und zwar für den Patienten verständlich formuliert. Der Plan wird zunächst vom Arzt erstellt und dann von Arzt und Apotheker gemeinsam weitergeführt, weil es sehr wichtig ist, dass die gesamte Medikation stets von Arzt und Apotheker bewertet wird. Zudem kann meist nur der Apotheker den Plan um alle rezeptfrei erworbenen Arzneimittel ergänzen, schließlich kann es auch mit diesen zu Wechselwirkungen kommen. Der Medikationsplan nützt allerdings nur, wenn der Patient ihn auch bei jedem Arzt- oder Apothekenbesuch dabeihat. Im Idealfall führt man ihn also ständig mit – dann ist man auch im Urlaub oder bei einem unvorhergesehenen Krankenhausaufenthalt auf der sicheren Seite. Und – ganz wichtig – der Plan muss stets aktuell und vollständig sein, also permanent fortgeschrieben werden.

Wäre ein elektronischer Medikationsplan da nicht sinnvoller?

Ganz recht. Die Erfahrung zeigt, dass Pläne in Papierform selten wirklich aktuell und vollständig sind. Dass das bei elektronisch geführten Plänen nicht so ist, beweisen wir in Sachsen bereits seit 2014 mit dem Modellprojekt ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen), einer Kooperation der Apothekerverbände in Sachsen und Thüringen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen beider Länder und der AOK Plus. Herzstück ist ein elektronisch gestützter Medikationsplan für eingeschriebene Versicherte der AOK Plus. Dafür arbeiten Arzt und Apotheker eng zusammen: Gemeinsam stellen sie eine vollständige Liste der aktuellen Medikation zusammen und überprüfen diese dann auf Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten, so dass der Arzt den Plan nötigenfalls anpassen kann. Die aktuelle Version des Medikationsplans liegt dabei auf einem geschützten Server. Das Projekt läuft bei den Ärzten und Apothekern, die es bereits umsetzen, sehr erfolgreich, weil es den Informationsfluss zwischen beiden deutlich verbessert und die Zusammenarbeit strukturiert.

 

Pressekontakt:

Göran Donner

Löwen-Apotheke

Kirchplatz 2,
01744 Dippoldiswalde


Tel.: 03504/ 61 24 05 / E-Mail: vizepraesident@slak.de

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