Verantwortung für zwei

Dresden (SLAK, 24.09.2019): 

Schwangere und Stillende sollten auf Medikamente möglichst verzichten

Werdende und stillende Mütter sollten Medikamente nur anwenden, wenn es unvermeidlich ist. Denn über Nabelschnur und Muttermilch erreichen viele Arzneistoffe auch das Baby und können ihm zum Teil sogar erheblich schaden. Vor jeder Medikamentengabe muss deshalb geklärt sein, dass die Wirkstoffe für das Kind unbedenklich sind. Zur Weltstillwoche vom 30. September bis6. Oktober 2019 erklärt Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, worauf Schwangere und Stillende achten müssen – und was hilft.

Herr Donner, dürfen schwangere Frauen und stillende Mütter Medikamente anwenden oder sollten sie darauf besser verzichten?

Werdende und stillende Mütter sollten Medikamente nur auf ärztlichen Rat oder nach Rücksprache mit der Apotheke einnehmen. Entscheidend ist dabei, dass jeder behandelnde Arzt – also auch der Augen- oder Zahnarzt – sowie das Apothekenpersonal zuvor über die Schwangerschaft bzw. die Tatsache, dass eine Frau noch stillt, informiert wurde. Denn nicht alles, was der Mutter hilft, ist auch gut fürs Baby: Die in Arzneimitteln enthaltenen Wirkstoffe können die gesunde Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und beim Ungeborenen unter Umständen sogar zu schweren Missbildungen führen. Das Baby im Bauch der Mutter ist nämlich über Nabelschnur und Plazenta direkt an den mütterlichen Stoffwechsel angeschlossen, der Säugling über die Muttermilch ebenso. Viele chemische Substanzen, die in den mütterlichen Körper gelangen, erreichen so auch das Kind.

Gilt das in allen Phasen der Schwangerschaft und Stillzeit gleichermaßen?

An sich schon. Besonders kritisch ist allerdings das Embryonalstadium bis zum Ende der achten Schwangerschaftswoche, weil in dieser Phase die äußeren und inneren Organe angelegt werden. Dennoch nehmen Umfragen zufolge zwischen 15 und 50 Prozent aller Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel Medikamente ein – oft, weil sie noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Später in der Schwangerschaft kann dagegen beispielsweise das Risiko einer Frühgeburt erhöht sein. Und noch in der Stillzeit können sich derartige Einflüsse – auch Nikotin und Alkohol gehören dazu – über die Muttermilch negativ auf das Kind auswirken.

Schwangere und Stillende sollten sich also im Ertragen von Krankheiten üben?

Nein, ein Fußpilz oder starke Kopfschmerzen müssen deshalb selbstverständlich nicht unbehandelt bleiben. Und wer unter chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma, Schilddrüsenerkrankungen oder Bluthochdruck leidet, benötigt auch in dieser Zeit eine Dauermedikation. Wichtig ist wie gesagt, dass wirklich jede geplante Arzneimittelanwendung mit dem Arzt oder Apotheker besprochen wird, gerade auch bei nicht verschreibungspflichtigen Präparaten und sogar bei äußerlich anzuwendenden Mitteln. Das gilt auch für pflanzliche Arzneimittel, die nicht immer so unbedenklich sind, wie viele glauben. Bei chronischen Leiden wird der Arzt gegebenenfalls das Mittel austauschen oder die Dosis verändern. Am besten bespricht `frau´ das mit ihrem Arzt bereits vor Beginn einer geplanten Schwangerschaft. Keinesfalls jedoch dürfen ärztlich verordnete Medikamente eigenmächtig abgesetzt oder die Dosis verändert werden.

Gibt es denn auch unbedenkliche Alternativen?

Natürlich – viele Akuterkrankungen und Alltagsbeschwerden lassen sich oft schon mit bewährten Hausmitteln lindern: Eine Spülung mit Salzwasser befreit die verstopfte Nase, Kamillendampfinhalationen wirken wohltuend auf die Atemwege, sofern man nicht allergisch darauf reagiert. Bei Husten helfen – ausreichende Flüssigkeitszufuhr vorausgesetzt – Präparate mit Thymian- oder Efeuextrakt, es dürfen nur keine alkoholhaltigen Zubereitungen oder reine ätherische Öle sein. Fieber lässt sich mit Wadenwickeln senken, bei Verdauungsproblemen wirkt oft schon Bewegung Wunder. Gegen Magenbeschwerden haben sich Tees aus Anis, Kümmel oder Kamille bewährt. Auch Salbeitee zum Gurgeln und Pfefferminze z. B. gegen Kopfschmerzen stehen hoch im Kurs. Stillende sollten auf diese beiden allerdings lieber verzichten: Sie können die Milchbildung hemmen.

Was tun, wenn solche Maßnahmen erfolglos bleiben?

Erst dann sollte gemeinsam mit dem Arzt oder Apotheker der Einsatz eines Medikaments erwogen werden. Für die meisten Indikationen stehen Arzneimittel zur Verfügung, die schon jahrzehntelang komplikationsfrei bei Schwangeren eingesetzt und daher als ungefährlich eingestuft wurden. Welches Medikament schlussendlich in welcher Dosis eingesetzt werden kann, muss der Arzt immer individuell mit Blick auf die jeweilige Patientin entscheiden – und dabei die Schwangerschaft als besonderen Umstand berücksichtigen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich – zusätzlich zum Gespräch mit Arzt oder Apotheker – im Internet unter www.embryotox.de zu Verträglichkeit und möglichen Risiken der wichtigsten Medikamente und Wirkstoffe informieren: Hier hat `frau´ Zugriff auf die gesammelten Daten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin.

Pressekontakt:

Göran Donner

Löwen-Apotheke

Kirchplatz 2,
01744 Dippoldiswalde


Tel.: 03504/ 61 24 05 / E-Mail: vizepraesident@slak.de

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