Gewusst wie: Medikamente gegen Osteoporose

Dresden (SLAK, 18.10.2019): 

Richtige Einnahme ist entscheidend – gesunde Lebensweise auch

Osteoporose, im Volksmund Knochenschwund genannt, ist kein unabwendbares Schicksal. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine der zehn bedeutendsten Krankheiten der Welt, betrifft das Skelettleiden vor allem Frauen jenseits der Wechseljahre – und lässt sich sehr gut medikamentös therapieren. Andererseits können bestimmte Arzneimittel, etwa Kortison, Osteoporose begünstigen. Zum Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober informiert Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, zu Medikamenteneinnahme, Risiken und Nebenwirkungen rund um die Volkskrankheit.

Herr Donner, was passiert bei einer Osteoporose im Körper?

Unsere Knochen sind sozusagen eine Dauerbaustelle: Abgenutzte Knochensubstanz wird ständig durch neue ersetzt. Im gesunden Knochen halten sich die parallel laufenden Auf- und Abbauvorgänge annähernd die Waage. Bei der Osteoporose geht dagegen weit mehr Knochensubstanz verloren als neue entsteht. Der Knochen wird porös und bricht leichter. Aber weil der Knochenschwund an sich symptomfrei ist, wird er oft erst entdeckt, wenn es bei Fehlhaltungen zu Schmerzen oder schon bei geringsten Anlässen zu Knochenbrüchen kommt, meist an Wirbelsäule, Oberschenkel und Hüfte.

Welche Ursachen hat Osteoporose?

Schuld ist eine Störung im komplexen Wechselspiel von Hormonen, Vitaminen, Mineral- und Botenstoffen, die die ‚Knochenarbeit’ steuern. Die wichtigste Rolle spielen Kalzium, Vitamin D, Testosteron und Östrogen. Bei Frauen nach den Wechseljahren ist das Erkrankungsrisiko deshalb mehr als doppelt so hoch wie bei Männern. Aktuell stellen Männer „nur“ etwa ein Drittel der gut acht Millionen deutschen Osteoporoseerkrankten, doch es werden immer mehr. Zum rein altersbedingten Knochenschwund kann es bei beiden Geschlechtern kommen. Den Knochenstoffwechsel nachhaltig durcheinander bringen können zudem auch andere Erkrankungen, etwa chronische Darmkrankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, aber auch Hormon- und Nierenfunktionsstörungen sowie Diabetes Typ 1. Und nicht zuletzt kann auch eine Arzneimittel-Therapie Osteoporose begünstigen. Vor allem Kortison erhöht das Risiko dafür deutlich. Ähnliches gilt für Magensäure-Blocker gegen Sodbrennen, bei Typ 2-Diabetes verschriebene Glitazon-Präparate sowie Medikamente gegen Prostatakrebs, die den Testosteronspiegel senken. Ob und in welcher Dosierung diese Medikamente dann im konkreten Fall weiter angewandt werden, muss der behandelnde Arzt entscheiden.

Und wie kann man Osteoporose bekämpfen?

Wurde mittels Knochendichtemessung eine Osteoporose diagnostiziert, steht eine Reihe effektiver Wirkstoffe zur Verfügung. Entscheidend ist die zuverlässige, korrekte Einnahme. Dazu gehört vor allem auch der richtige Zeitabstand von mindestens 30 Minuten zu den Mahlzeiten, denn bei Osteoporosemitteln drohen Wechselwirkungen mit Lebensmitteln – etwa Milchprodukten, kalziumreichen Wässern und Säften, aber auch Kaffee, Gemüse und Obst – sowie Nahrungsergänzungs- oder Arzneimitteln mit Eisen, Magnesium, Vitaminen und eben Kalzium. Zudem können Tabletten auf Bisphosphonat-Basis die Speiseröhre reizen. Man muss sie daher stets in aufrechter Haltung morgens mit einem vollen Glas kalziumarmem Leitungswasser schlucken und darf sich danach mindestens 30 Minuten nicht hinlegen. Daneben gibt es Depot-Präparate mit größeren Einnahmeintervallen, doch auch diese sind nicht nebenwirkungsfrei: Bisphosphonate können mitunter zu gefährlichen Kiefernekrosen und bei Erstanwendern darüber hinaus zu Augenentzündungen führen. Disziplin erfordert auch die Anwendung von Parathormon-Präparaten, die unter die Haut gespritzt werden müssen. Handelt es sich nicht um Einweg-Injektoren, müssen die Nadeln ggf. täglich ausgetauscht werden – wer sich nicht sicher ist, fragt am besten in der Apotheke nach. Nicht zuletzt können bei den gebräuchlichen Osteoporose-Medikamenten Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Beinkrämpfe, sogar Thrombosen und Embolien auftreten.

Was sollten Betroffene außerdem noch beachten?

Um Knochenbrüchen vorzubeugen, sollten Betroffene ihr Sturzrisiko minimieren, also Stolperfallen in der Wohnung beseitigen und das Sehvermögen regelmäßig kontrollieren lassen. Werden Medikamente eingenommen, die Kreislauf oder Reaktionsvermögen beeinträchtigen können (z. B. bei Schlafstörungen, Depressionen, Epilepsie oder Bluthochdruck), hält man am besten Rücksprache mit dem Arzt.

Lässt sich die Krankheit verhindern?

Basis jeder Osteoporose-Therapie und Prophylaxe ist immer eine Umstellung des Lebensstils: Wer auf eine ausgewogene, kalziumreiche Ernährung achtet, auf Genussgifte wie Nikotin und Alkohol verzichtet und sich viel an der frischen Luft bewegt, stärkt seine Knochen auf natürliche Weise. Im Zweifelsfall führt man Kalzium und Vitamin D zusätzlich zu, hierzu kann das pharmazeutische Personal in der Apotheke kompetent beraten. Der knochenfreundliche Lebensstil empfiehlt sich auch für alle Gesunden – er ist die beste Vorbeugung gegen Knochenschwund.

Pressekontakt:

Göran Donner

Löwen-Apotheke

Kirchplatz 2,
01744 Dippoldiswalde


Tel.: 03504/ 61 24 05 / E-Mail: vizepraesident@slak.de

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